Streitfrage: Bezahlparkplätze

Am Dienstag eröffnete der neue Veloparkplatz am Bahnhof Luzern. Das Schweizer Start-Up SmartMo hat einige Technologien zusammengetragen um den Fahrradständer neu zu erfinden. Am September Stammtisch haben wir das für und wieder diskutiert. Auch nationale Medien hat das Thema interessiert, sollen doch solche Veloständer schweizweit zum Einsatz kommen (Watson, Luzerner Zeitung, 20Minuten).

Argumente dagegen:

  • Es gibt schon heute zu wenig Abstellmöglichkeiten. Mit den 50cm breiten, ebenerdigen (nicht Doppelstöckern) wird der Platz ineffizient genutzt, unter dem Strich gehen Plätze verloren.
  • Durch Bezahlparkplätze ensteht ein zwei Klassensystem aus denen, die sich den Luxus leisten können oder wollen, und denen, die das Fahrrad weiterhin gratis abstellen wollen oder müssen.
  • Wenn mit Veloparkplätzen Gewinn gemacht werden kann, werden sie die gratis Parkflächen verdrängen und dazu führen, dass wir am Ende alle dafür bezahlen müssen – oder sehr weit laufen müssen, bis wir es gratis abstellen können.

Argumente dafür:

  • Um neue Nutzergruppen aufs Fahrrad zu bringen, braucht es auch bessere Abstellmöglichkeiten (Diebstahlschutz, Platzgarantie/Reservierungsmöglichkeit, breite Abstellplätze, Fächer für Helme, Lademöglichkeiten). Die Alternative, ein P+R Stellplatz für ein Auto kostet 120 CHF im Monat.
  • Die Kosten (65 Rappen für die erste Stunde, 5 Rappen jede weitere und CHF 1.80 pro Tag ab dem Zweiten) kann sich jeder leisten. Sorgen aber dafür, dass niemand sein Velo für Tage oder Wochen am Bahnhof parkiert
  • Durch effizientere Nutzung der Fläche stehen unter dem Strich mehr freie Plätze zur Verfügung. Und die Allgemeinheit muss nicht das auf- und wegräumen von Velos finanzieren.

Die Diskussion hat auch bei uns am Stammtisch gezeigt, dass die Meinungen bei dem Thema ähnlich wie in den Medienbeiträgen berichtet auseinander gehen. Gerade mit Hinblick auf das Bauvorhaben der Stadt Sursee am Bahnhof eine Velostation zu errichten sollten wir die Diskussion aktiv gestalten. Was haltet ihr davon? Teilt eure Meinung auf unserer Facebook-Seite, diskutiert mit in unserer Whatsapp-Gruppe oder kommt einfach zum nächsten Stammtisch!

Utrecht – Weltgrösste Velostation

Am 13. September hielt Frans Jan van Rossem, Leiter des Fahrradprograms der Stadt Utrecht, im Rahmen des diesjährigen Forum Velostation in Neuchâtel einen Vortrag über die bemerkenswerten Velostationen von Utrecht und ihre Grösste mit 22’000 Plätzen.
Utrecht ist mit 350’000 Einwohnern die viertgrösste Stadt der Niederlande. Besonders bekannt für die Universität, den viel frequentierten Bahnhof mit 200’000 Passagieren täglich (Luzern hat um die 100’000) und die Verkehrsanbindung.
Nun erlangt Utrecht durch seine velofreundliche Politik eine neue Bekanntheitsdimension. in den letzten Jahren sind im Innenstadtbereich zwölf Velostationen entstanden, darunter auch die weltgrösste öffentliche Station am Bahnhof mit 22’000 Abstellplätzen. Alle zwölf Stationen sind überwacht und mit Personal besetzt.
Durch den Ausbau der Fahrradwege und der Umwandlung von Strassen in Fahrradstrassen wählen immer mehr Menschen das Velo als bevorzugtes Verkehrsmittel. Das führt dazu, dass die Hälfte aller Fahrten im Stadtzentrum mit dem Velo zurückgelegt werden (wenn die gesamte Strecke unter 7.5km liegt). Das kann auch mal etwas eng werden, wenn auf manchen Wegen bis zu 33’000 Radler pro Tag unterwegs sind. Auf Twitter wurde auch der erste Velo-Stau gefeiert, als die Velostation am Bahnhof eröffnet wurde. Normalerweise läuft es so:


Zu Stosszeiten gibt es noch fünf temporäre Veloabstellbereiche, die in der Innenstadt beispielsweise am Wochenende geöffnet werden um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.
Die Plätze sind alle bewacht, aber auch elektronisch werden die Platznutzung mit moderner Technik überwacht, so dass man schon am Eingang sieht, wo es noch freie Plätze hat. Ähnlich wie unser Parkleitsystem für Autos in Sursee, gibt es das für Velos in Utrecht.

Folgend zwei Youtube Clips über die politische Motivation zum Bau und ein Einblick in die weltgrösste Velostation:

https://www.youtube.com/watch?v=u9uSsc97S-c

Ich habe bereits meine Frau gefragt, ob Sie mit mir mal nach Utrecht fährt, damit wir uns das mal in Echt vom Velo aus anschauen können.

Die Folien des Vortrags können vom Forum Velostation Schweiz hier bezogen werden.

Tour du Faso in Sursee

Die Velotage Sursee hatten gestern einen sehr guten Start. Um die 140 Personen haben sich den Film Tour die Faso angeschaut. In der Pause fanden angeregte Gespräche statt.

Das Velo ist 200 Jahre alt. Es hat fast die ganze Welt erobert. In Burkina Faso kam es mit den Weissen ins Land. Es ersetzte allmählich Esel und Pferde. Heute ist das Velo nicht wegzudenken in Burkina Faso – es wird geliebt und gebraucht, es soll das erste Geschenk sein, das man einem Kind gibt.

Neben den kulturellen Unterschieden, die vor allem in kleinen Details fühlbar wurden, hat mich dies beeindruckt

Radrennen ist ein Sport, an dem die ganze Bevölkerung teilnehmen kann. Radrennen gehen zu den Leuten, auf’s Land, in die Städte – alle können hingehen und zuschauen.

Die Velotage Sursee haben begonnen, wir freuen uns auf weitere Besucher und Besucherinnen an unseren Anlässen.

Herzlichen Dank dem Kinoclub Sursee. Es war eine tolle Zusammenarbeit. Für mehr Film: www.kinoclub.ch

Marianne Steiner, Präsidentin Pro Velo Sursee